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Schüler werden zu Jung-Autoren

Kelsterbach – Lesungen wecken Leselust und fördern die Lesekompetenz – das ist die Erfahrung des Fördervereins „Lesen und Lesen lassen“, der seit 20 Jahren in Kooperation mit der Stadtbücherei die „Rüsselsheimer Lesewochen“ organisiert. Seit Beginn der Veranstaltungsreihe im Jahr 1985 begegneten rund 50.000 Kinder einem Dichter oder Schriftsteller in ihrer Klasse „live“. Damit zählen die „Rüsselsheimer Lesewochen“ zu den hessenweit bedeutendsten Initiativen zur Leseförderung an der Schnittstelle von Schule und Bibliothek. Die Teilnahme der IGS wird seit einigen Jahren unter anderem von der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt unterstützt. Bei der diesjährigen 33. Auflage bekamen die Kinder Besuch von drei Schriftstellern: Ursula Flacke und Anne Voorhoeve lasen Schülern verschiedener Jahrgangsstufen aus ihren Werken vor. Und in der Schreibwerkstatt mit Aygen-Sibel Celik versuchten sich die Schüler einer siebten und einer achten Klasse sogar selbst als Autoren und verfassten eigene Texte.

Phantasievoll und kreativ: Kinder entwickeln ihre eigenen Geschichten

Bei den Schreibwerkstätten geht es vor allem darum, Kinder und Jugendliche dazu zu ermutigen, ihre eigene Stimme zu finden und ihre subjektive Sicht auf die Wirklichkeit zu formulieren. Aygen-Sibel Çelik hat das an der Kelsterbacher Schule bereits im Vorjahr hervorragend bewerkstelligt. Auch in diesem Jahr gelang es ihr von Anfang an, die Kinder einer siebten und einer achten Klasse zu eigener Kreativität zu ermutigen. Nach anfänglichem Zögern begannen alle Kinder, hochkonzentriert zu schreiben und Seite um Seite zu füllen. Tobias Bundschuh, Leiter des für Kelsterbach zuständigen Servicecenters der Nassauischen Heimstätte, war bei der Schreibwerkstatt dabei und zeigte sich beeindruckt. „Es war toll zu sehen, wie die Kinder ihre eigenen spannenden Geschichten entwickelt haben. Es schien fast, als seien sie selbst überrascht gewesen, wieviel Phantasie sie entwickeln konnten.“ Die Kinder ließen sich von Postkarten und Filmmusik inspirieren und beschäftigten sich mit einer ganzen Reihe von Themen. Die Palette reichte von Freundschaft, Krimis sowie Agenten-. und Wikingergeschichten bis hin zu Mobbing wegen Äußerlichkeiten. Tanja Steinke vom Sozialmanagement der Nassauischen Heimstätte begleitete Bundschuh bei dessen Besuch. Ihr gefiel es, wie intensiv Aygen-Sibel Çelik auf Kinder einzugehen vermag. „Sie hat jedes Kind ermutigt, weiterzumachen, in jedem Text entdeckte sie etwas ganz Besonderes, wofür sie den jungen Autor gelobt hat. Das wiederum hat die Mädchen und Jungen natürlich motiviert, weiter an ihren Geschichten zu feilen.“

Die Autorin

Çelik wurde 1969 in Istanbul geboren, zog aber schon im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie nach Frankfurt am Main. Nach ihrem Studium der Kinder- und Jugendbuchforschung begann sie, sich als Publizistin und Rezensentin einen Namen zu machen, bis 2004 ihr erstes Kinder- und Jugendbuch erschien. In ihren Geschichten thematisiert sie häufig das Lebensgefühl von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, schildert deren Zerrissenheit ebenso wie deren Glück, in zwei Welten zu Hause zu sein.

Fester Bestandteil im Jahreskalender der Schulen

In den diesjährigen Lesewochen kam es zu 74 Begegnungen – neun Schreibwerkstätten und 65 Lesungen – zwischen zwölf Autoren und 72 Klassen. Insgesamt nahmen 19 Schulen teil, die meisten davon sind in Rüsselsheim. Aber auch die Grundschulen aus Nauheim und Walldorf sowie die Integrierten Gesamtschulen aus Ginsheim und eben Kelsterbach waren dabei. „In den meisten Schulen sind die Lesewochen längst zu einem festen Programmpunkt im Jahreskalender geworden“, sagt Manfred Pöller, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Lesen und Lesen lassen. „Das bestätigt den Ansatz, den unser Verein seit vielen Jahren verfolgt: Literaturvermittlung funktioniert besonders gut durch die persönlichen Begegnungen mit den Autoren.“ Ermöglicht werden die Lesewochen durch eine Reihe von Unternehmen und Institutionen, die etwa die Hälfte der Gesamtkosten für die Lesungen und Schreibwerkstätten bestreiten. Darunter ist auch die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt.

Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt

Die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt mit Sitz in Frankfurt am Main und Kassel bietet seit 95 Jahren umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Wohnen, Bauen und Entwickeln. Sie beschäftigt rund 730 Mitarbeiter. Mit rund 60.000 Mietwohnungen in 140 Städten und Gemeinden gehört sie zu den führenden deutschen Wohnungsunternehmen. Das Regionalcenter Wiesbaden bewirtschaftet rund 11.600 Wohnungen, darunter rund 5.800 Wohnungen direkt in Wiesbaden, und hat mit dem Servicecenter in Darmstadt eine Außenstelle. Unter der Marke „ProjektStadt“ werden Kompetenzfelder gebündelt, um nachhaltige Stadtentwicklungsaufgaben durchzuführen. Bis 2021 sind Investitionen von rund 1,5 Milliarden Euro in Neubau von Wohnungen und den Bestand geplant. 4.900 zusätzliche Wohnungen sollen so in den nächsten fünf Jahren entstehen.