„Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif“

Podiumsdiskussion zur Klimaneutralität (v.l.n.r.): NHW-Geschäftsführer Dr. Thomas Hain, Prof. Dr. Maren Urner, GdW-Präsident Axel Gedaschko, Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Sebastian Herkel vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. Foto: Marc Strohfeldt.

Auf einer Podiumsdiskussion zur Klimaneutralität in der Wohnungswirtschaft haben NHW-Geschäftsführer Dr. Thomas Hain und GdW-Präsident Axel Gedaschko gefordert, die Belastungen und Kosten des Klimawandels gerechter zu verteilen.

Klimaneutralität in der Wohnungswirtschaft: Dieses Ziel haben am Mittwoch, 12. Februar 2020, prominente Experten in einem Fachgespräch in der Konzernzentrale der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte l Wohnstadt (NHW) in Frankfurt am Main diskutiert.

Zu Beginn der Diskussion, die Thomas Ranft vom Hessischen Rundfunk moderierte, wollte Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir einer gewissen Resignation beim Kampf gegen den Klimawandel begegnen. Deutschland sei zwar ‚nur‘ für etwa zwei Prozent der weltweiten CO2-Emmissionen verantwortlich, erklärte der Minister: „Doch jeder Fortschritt in diesem Bereich hängt davon ab, wer wie vorangeht.“ Als Industrieland müsse man ein gutes Beispiel für andere sein. Minister Al-Wazir lobte in diesem Zusammenhang die gastgebende hessische Wohnungsgesellschaft. Die NHW habe gemeinsam mit dem hessischen Wirtschafts- und Energieministerium vom Ziel her gedacht und sich gefragt, wieviel man pro Jahr investieren müsse, um Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 zu erreichen. Damit sei sie auch ein wichtiges Vorbild für private Wohnungs- und Hausbesitzer, denn in deren Hand befänden sich die meisten Gebäude.

Laut Al-Wazir arbeitet die Hessische Landesregierung derzeit daran, die Sanierungsquote für den Gebäudebestand insgesamt von einem auf zwei Prozent pro Jahr zu erhöhen.

Dieses Ziel begrüßte auch Sebastian Herkel vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg. Die Zwei-Prozent-Marke sei jedoch auch deshalb schwer zu erreichen, weil Fachkräfte fehlten. Hier könne eine höhere Automatisierungsquote dazu beitragen, die Lücke etwas zu schließen. Ein weiteres Problem sieht Herkel in steigenden Baukosten: „Sie wachsen derzeit schneller als die allgemeinen Lebenshaltungskosten.“ Daher liege eine Chance darin, Bauprozesse im Zuge der Digitalisierung technologisch effizienter zu gestalten: „Wir erleben gerade ein Revival der industriellen Bauproduktion und seriellen Sanierung.“

Darauf ging auch Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, ein und betonte, die Wohnungswirtschaft habe jüngst 12.500 Wohnungen im Rahmen des „Energiesprong Volume Deals“ zur Verfügung gestellt, um eine serielle Produktion in Deutschland aufzubauen. „Ein deutliches Signal“, sagte Gedaschko. Gleichzeitig warnte er im Kampf gegen den Klimawandel auch vor zu hohen Belastungen für die Gesellschaft: „Die Herausforderung ist, die soziale Dimension zu bewahren und gleichzeitig das Ziel zu erreichen.“ Der GdW-Präsident appellierte an die Politik: „Macht einen Klima-Soli, der sich an der Leistungsstärke der Menschen bemisst.“

NHW-Geschäftsführer Dr. Thomas Hain ging auf den Kostenfaktor von Klimawandel und Umweltschutz ein: „Das sind gesellschaftliche und soziale Kosten. Die kann man nicht nur einer Gruppe zuordnen. Jede eingesparte Tonne CO2 kommt uns allen zugute.“ Die Kostenverteilung müsse gesellschaftlich kontrovers und ehrlich diskutiert werden. „Zu glauben, Umweltschutz und CO2-Einsparungen zum Nulltarif haben zu können, ist der komplett falsche Ansatz“, sagte Hain.

Worüber sich alle einig waren: Es braucht eine Veränderung der jetzigen Lebensweise. Neurowissenschaftlerin Prof. Dr. Maren Urner legte dar, dass drei Komponenten notwendig seien, um das Verhalten von Menschen nachhaltig zu ändern. Neben dem Vergleich mit den Mitmenschen, seien dies eine direkte Belohnung und der spielerische Wettbewerb. Gleichzeitig warnte die Autorin des Bestseller-Buches „Schluss mit dem täglichen Weltuntergang“ vor einem Rückzug des Einzelnen aus der Gemeinschaft ins private Biedermeier: „Wir haben als Demokratie nichts davon, wenn wir nur noch Marmelade einkochen und die ‚Landlust‘ lesen.“ Vielmehr empfiehlt Urner sich Gleichgesinnte zu suchen: „Finden Sie Menschen und Organisationen, die sich bereits auf den Weg gemacht haben.“

Axel Gedaschko und Thomas Hain fühlten sich bestätigt und betonten, dass es mit der Initiative Wohnen.2050, einem Zusammenschluss der Wohnungsbauwirtschaft mit dem gemeinsamen Ziel der Klimaneutralität, bereits einen „Club der Willigen“ gebe. „In unserer Branche haben wir ein großes Verständnis für Partnerschaft und Offenheit und die Bereitschaft zusammenzuarbeiten“, lobte NHW-Geschäftsführer Hain.

Einen Mitschnitt der Podiumsdiskussion können Sie sich hier anschauen.

 

Die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt (NHW) mit Sitz in Frankfurt am Main und Kassel bietet seit knapp 100 Jahren umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Wohnen, Bauen und Entwickeln. Sie beschäftigt rund 730 Mitarbeitende. Mit rund 59.000 Mietwohnungen in 140 Städten und Gemeinden in Hessen gehört sie zu den zehn führenden deutschen Wohnungsunternehmen. Unter der NHW-Marke ProjektStadt werden Kompetenzfelder gebündelt, um nachhaltige Stadtentwicklungsaufgaben durchzuführen. Die Unternehmensgruppe arbeitet daran, ihren Wohnungsbestand in den nächsten Jahren auf 75.000 Wohnungen zu erhöhen und bis 2050 klimaneutral zu entwickeln. Um dem Klimaschutz in der Wohnungswirtschaft mehr Schlagkraft zu verleihen hat sie gemeinsam mit Partnern das Kommunikations- und Umsetzungsnetzwerk „Initiative Wohnen.2050“ gegründet. Mit hubitation verfügt die Unternehmensgruppe zudem über ein Startup- und Ideennetzwerk rund um innovatives Wohnen.

www.naheimst.de

Die Initiative Wohnen.2050 ist ein von der Unternehmensgruppe initiierter bundesweiter Branchenzusammenschluss. Ziel ist es, die CO2-Emissionen der teilnehmenden Unternehmen gemäß dem Pariser Klimaschutzabkommen so zu minimieren, dass das globale kleiner-2-Grad-Ziel eingehalten wird. Unter den bislang 24 Unternehmenspartnern sind sechs der zehn größten Wohnungsunternehmen in Deutschland. Auch vier weitere hessische Unternehmen, das Gemeinnützige Siedlungswerk GSW, der Bauverein Darmstadt, die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft HWB und die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft KWG aus Ginsheim-Gustavsburg sind Partner. Insgesamt vereinen die 24 Unternehmen über eine Millionen Wohneinheiten, die bis 2050 klimaneutral entwickelt werden sollen. Weitere Partner sind die brancheneigene Hochschule EBZ Business School und der Spitzenverband GdW. Unterstützt wird die Initiative von den Regionalverbänden VdW Südwest und VdW NW.

www.iw2050.de

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