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Wohnen Nachhaltigkeit
Reality-Check

Wie geht Klimaschutz beim Wohnen?

Wohnungsunternehmen müssen sich genau überlegen, wo mit welchen Technologien in den Klimaschutz investiert wird. Finanzierbare Installation, ein rentabler Betrieb und die Mieterakzeptanz stehen im Mittelpunkt. Das zeigt auch die energetische Modernisierung einer Siedlung der NHW.

Im südhessischen Langen zwischen Frankfurt und Darmstadt hat die NHW im Quartier um die südliche Ringstraße 144 Wohnungen seit 2014 auf den bestmöglichen Energiestandard gebracht. 2019 wurden weitere 24 Wohneinheiten vollmodernisiert. So nennen das Architekten, wenn bei einem Gebäude praktisch alle Bauteile auf den Prüfstand kommen und, falls nötig, erneuert werden. Dabei werden neue Fenster mit Dreifachverglasung eingebaut, die besseren Schutz vor Wärmeverlust bieten. Vor allem aber werden die Außenwände sowie Decken in Kellerund Dachgeschoss gedämmt. Um von Erfahrungen zu profitieren und Synergien bei Vollmodernisierungen zu nutzen, arbeiten Techniker, Planer und Bauleiter, aber auch externe Firmen und Fachleute eng zusammen.

Über 80 Prozent weniger Energieverbrauch bis 2050

Die Klimaschutzziele der NHW sind ehrgeizig. Der sogenannte Primärenergiebedarf im gesamten Wohnungsbestand soll von heute durchschnittlich 153 Kilowattstunden bis 2050 auf 27 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr reduziert werden. Dabei berücksichtigt die NHW nicht nur den errechneten Bedarf für Heizwärme und Warmwasser pro Wohngebäude, sondern auch wie viel Energie bei Förderung, Aufbereitung und Transport von Energierohstoffen aufgewendet wurde.
Damit wird der Gesamtgebäudebestand der NHW so gut wie klimaneutral. Der in 30 Jahren zu erreichende Zielwert ergibt sich aus dem Zusammenwirken einer besser gedämmten Gebäudehülle mit sparsameren und effizienteren Formen der Wärmeerzeugung – etwa durch Wärmepumpen, die zunehmend mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden können. So will das Unternehmen in den nächsten 30 Jahren mehr als 1,8 Millionen Tonnen CO2 einsparen – besagt eine Vereinbarung der NHW mit der hessischen Landesregierung. der Wärmeerzeugung – etwa durch Wärmepumpen, die zunehmend mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden können. So will das Unternehmen in den nächsten 30 Jahren mehr als 1,8 Millionen Tonnen CO2 einsparen – besagt eine Vereinbarung der NHW mit der hessischen Landesregierung.

Für uns ist entscheidend, wie viel CO2-Emissionen wir in einem finanzierbaren Rahmen reduzieren können. Und das können wir am besten, wenn wir so viel wie möglich standardisieren und auf bewährte Technologien zurückgreifen.

Karin Hendriks, Bereichsleiterin Modernisierung & Großinstandhaltung

Die Auswahl der richtigen Gebäude ist entscheidend für den Einspareffekt

Der Klimaschutz durch Vollmodernisierungen beginnt mit der Auswahl geeigneter Wohngebäude. „Wir schauen: Wo sind die Bestände, bei denen wir unterm Strich am meisten CO2 einsparen können?“, erklärt Karin Hendriks. Dafür wurden rund 4.000 unternehmenseigene Gebäude in einer Datenbank erfasst. Ein Katalog mit mehreren Dutzend Kriterien für alle Bauteile hilft,
eine Rangfolge zu bilden und bestmögliche Entscheidungen zu treffen:
Wie alt ist das Gebäude? Wann wurde die letzte energetische Maßnahme durchgeführt? Wie wird geheizt? Welche Materialien wurden verbaut?
Auch der Stadtteil und die Perspektive der Mieter werden berücksichtigt.
So fiel zum Beispiel die Entscheidung für das Quartier in Langen.

Wärmeisolierung aus Schaumkunststoff macht das Rennen

Bei der Dämmung berücksichtigt die NHW alle Gebäudeflächen, die Wärme abgeben, also Außenwände, Dächer, Fenster und Kellerdecken. Die Frage, welcher Dämmstoff unterm Strich am besten fürs Klima ist, hat das Unternehmen vor einigen Jahren in einer groß angelegten Studie durch ein unabhängiges Institut klären lassen. „Unter bautechnischen, ökologischen und ökonomischen Aspekten hat sich der Schaumkunststoff Polystyrol (EPS/XPS) als nachhaltigste Lösung erwiesen – etwa auch im Vergleich mit Mineralfasern und nachwachsenden Rohstoffen“, sagt Karin Hendriks von der NHW.
„Mit einer 16 Zentimeter dicken Wärmedämmung haben wir uns auf einen hohen Standard für die Bestandsgebäude festgelegt“, ergänzt Hendriks.

Wir haben, wissenschaftlich unterstützt, Konzepte entwickelt, mit denen wir auch große Wohnungsbestände weitgehend klimaneutral, klimatauglich oder zukunftsfähig machen können.

Monika Fontaine-Kretschmer, Geschäftsführerin der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt

Soll die Wärme aus der Ferne oder aus der Nähe kommen?

Die Dämmung der Gebäudehülle ist jeweils der erste Schritt, der Anschluss eines Wohngebäudes an nachhaltige Energiequellen ist der zweite. „Bei der Entscheidung, welche Wärmeversorgung dem Klima am meisten bringt, ist uns wichtig, dass sie zuverlässig ist und eine einfache Technik nutzt“, erklärt Helge Bitzer, bei der NHW verantwortlich für Neubauprojekte. Fernwärme verbindet diese Vorteile. Sie wird bei der Unternehmensgruppe genutzt, wo sie regional verfügbar ist – möglichst mit einem bereits hohen Anteil an erneuerbaren Energiequellen. Oft ist das nur in den größeren Städten möglich. Alternativ kommt Nahwärme aus eigenen Versorgungsanlagen wie Blockheizkraftwerken und Wärmepumpen, in einzelnen Fällen auch Holzpellets-Anlagen zum Einsatz. Wo geeignete Dachflächen zur Verfügung stehen, wird auf NHW-Gebäuden auch die Sonneneinstrahlung für Warmwasser und Photovoltaik genutzt. Im Neubau werden Wärmepumpen in Deutschland bereits heute am häufigsten genutzt. Im Rahmen ihrer Klimastrategie hat die Unternehmensgruppe ermittelt, dass sie aus CO2-Sicht derzeit die optimale Wärmeerzeugung darstellt. Wärmeanlagen auf Strombasis haben den Vorteil, dass der bundesdeutsche Strommix durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien sukzessive CO2-ärmer wird.
Werden Wärmepumpen mit eigener nachhaltiger Stromproduktion kombiniert – zum Beispiel aus Solarzellen auf dem Dach –, ist das Gebäude bilanziell CO2-neutral versorgt.

Für modernisierte Wohnungen wie für den Neubau gilt: Um Energiebedarf und damit die CO2-Emissionen weiter zu senken, erhält jede Wohnung ein kontrolliertes Abluftsystem. In Küche und Bad, wo die meiste Feuchtigkeit entsteht, wird die Innenluft mit unauffälligen Ventilatoren abgesaugt. Kleine Öffnungen im Fensterfalz der Aufenthaltsräume lassen frische Zuluft nachströmen, sodass kein Unterdruck entsteht.
Die permanente, geringe Belüftung sorgt für gute und hygienische Luftqualität und ersetzt die unkontrollierten Fenster-Kippstellungen. „Was bei Mietern besonders gut ankommt, ist das gute Raumklima, das keine Zugluft entstehen lässt. Gut gedämmte und kontrolliert belüftete Räume empfinden die meisten Menschen als behaglicher“, sagt Helge Bitzer. Bis 2023 wird die NHW in Langen insgesamt 352 Wohnungen in 14 Gebäuden energetisch saniert haben. Sie alle erreichen das Niveau „Energieeffizienzhaus 85“ der KfW. Der Energiebedarf liegt damit 15 Prozent unter dem Neubau-Standard. Dafür hat die Unternehmensgruppe dann insgesamt 23 Millionen Euro investiert.