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Energetische Beratung soll Sanierung schmackhaft machen

NH ProjektStadt plant Quartierskonzept zur weiteren Aufwertung der Immenhauser Altstadt – Kartierer erfassen den Bestand – Bürger werden aktiv eingebunden

Altes Fachwerk soll in neuem Glanz erstrahlen: Die Stadt Immenhausen unterstützt die Sanierung von Gebäuden weiterhin durch Beratungsangebote zu Bauausführung und Finanzierung. Foto: NHPS

Immenhausen – Stillstand bedeutet Rückschritt: Getreu diesem Motto verfahren die Sanierungsexperten von der NH ProjektStadt in Immenhausen. Nach der vor kurzem abgeschlossenen Stadtsanierung haben sie es sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit den Bürgern der 7000-Einwohner-Stadt im Landkreis Kassel ein integriertes energetisches Quartierskonzept zu erarbeiten und die Aufwertung der Altstadt weiter voranzutreiben. „Trotz der erfolgreichen Sanierung gibt es aufgrund des demografischen Wandels und der gestiegenen Bedeutung des Themas Energieeffizienz gerade im Fachwerk-Altbaubeststand neue Handlungsbedarfe“, erläutert Bernd Horstmann, Koordinator des Fachbereichs Bauen und Beteiligungsmanagement bei der NH ProjektStadt. Mit Hilfe des KfW-Programms „Energetische Stadtsanierung“ soll ein Konzept erstellt und dann drei Jahre lang ein gefördertes Sanierungsmanagement eingesetzt werden, das die Beratungsleistungen vor Ort erbringt. Zur Vorbereitung haben professionelle Kartierer dieser Tage damit begonnen, den Bestand im Altstadtgebiet zu erfassen und mit Hilfe von Fotos den aktuellen Zustand der Gebäude zu dokumentieren. Parallel dazu werden die Eigentümer von städtebaulich besonders wichtigen Immobilien oder von solchen Immobilien angeschrieben, bei denen seit Jahren ein Entwicklungsstillstand zu beobachten ist. „Ihnen wollen wir anbieten, im Rahmen der Konzepterstellung für ihre Objekte kostenlos Sanierungsstudien zu erarbeiten“, erläutert Horstmann weiter. Diese Studien sollen Eigentümern einen ersten Überblick über den technischen, vor allem aber über den finanziellen Aufwand für die Sanierung liefern. Dass für die Eigentümer in diesem frühen Stadium keine Kosten anfallen, ist Horstmann zufolge besonders wichtig. „Das Interesse der Eigentümer an einer konkreten Sanierungsberatung erlischt erfahrungsgemäß meist sofort, wenn sie dafür Geld bezahlen sollen.“ Bereits während der Konzeptphase werden für bestimmte Schlüsselobjekte Testplanungen erstellt. So kann das Sanierungsmanagement nach Erarbeitung des Konzepts direkt in die Umsetzung einsteigen.

Kompetenz in Energie, Bau und Wohnungswirtschaft

Unterstützung erhält die NH ProjektStadt von der Kasseler Klima- und Energieeffizienzagentur KEEA sowie der Architekturwerkstatt Ackerbauer-Warmuth-Herdina aus Immenhausen. Für Horstmann eine ideale Kombination: „KEEA bearbeitet die energetischen Aspekte, die Architekturwerkstatt kennt den örtlichen Gebäudebestand auf der Bebauungsplanebene wie kein Zweiter und ist auf die Sanierung von Fachwerk-Altbauten spezialisiert, und die NH ProjektStadt kann Erfahrungen aus 30 Jahren Stadtsanierung einbringen. So tragen wir dem Wunsch der KfW Rechnung, dass bei der Vorbereitung des Sanierungsmanagements umfassende Kenntnisse aus den Bereichen Energie, Bau und Wohnungswirtschaft einfließen.“ Die KfW hat die Erstellung des Konzepts bereits bewilligt. Einen großen Anteil sollen lokale Akteure haben. Sie werden in Form von Workshops, Diskussionsrunden und Ortsbegehungen in die Erarbeitung des Konzepts eingebunden. „Die Bürger haben den besten Überblick“, ergänzt Horstmann. „Dieses Know-How wollen wir auch in Immenhausen nutzen.“

Beispielhafte Lösungen für die Aufwertung der Altstadt gesucht

Im Rahmen der Stadtsanierung wurden bereits rund 25 Objekte mit etwa 60 Wohnungen modernisiert, die meisten davon Fachwerkhäuser aus dem 17./18. Jahrhundert. Weil die fachgerechte energetische Sanierung vor allem von Fachwerkgebäuden aber extrem schwierig ist und einige sanierungswillige Eigentümer weiterhin hohen Beratungsbedarf haben, entstand bei der NH ProjektStadt die Idee, diesem Bedürfnis Rechnung zu tragen. Mit dem energetischen Quartierskonzept sollen Horstmann zufolge drei Ziele erreicht werden: „Wir wollen die Sanierung städtebaulich wichtiger Objekte anschieben und damit weiterem Leerstand vorbeugen, beispielhafte Lösungen erarbeiten und die kostenlose Sanierungsberatung für Bauherren fortführen.“ Außerdem diene das Konzept als Grundlage für die Akquisition weiterer Fördermittel.

Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt

Die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt mit Sitz in Frankfurt am Main und Kassel bietet seit 95 Jahren umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Wohnen, Bauen und Entwickeln. Sie beschäftigt rund 720 Mitarbeiter. Mit rund 60.000 Mietwohnungen in 140 Städten und Gemeinden gehört sie zu den führenden deutschen Wohnungsunternehmen. Der Wohnungsbestand wird aktuell von rund 260 Mitarbeitern in vier Regionalcentern betreut, die in 13 Service-Center untergliedert sind. Das Regionalcenter Kassel bewirtschaftet rund 17.500 Wohnungen, darunter rund 5.000 in der Stadt Kassel, und hat mit den Servicecentern in Fulda und Marburg sowie einem Vermietungsbüro in Eschwege drei Außenstellen. Unter der Marke „NH ProjektStadt“ werden Kompetenzfelder gebündelt, um nachhaltige Stadt- und Projektentwicklungsaufgaben durchzuführen. Bis 2022 sind Investitionen von rund 1,5 Milliarden Euro in Neubau von Wohnungen und den Bestand geplant. 4.900 zusätzliche Wohnungen sollen so in den nächsten fünf Jahren entstehen.