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Aufeinander hören lernen

Jaulende E-Gitarren, wummernder Bass und ein Trommelwirbel auf dem Schlagzeug: Kinder und Jugendliche aus mehreren Frankfurter Quartieren der Nassauischen Heimstätte besuchen ein Ton-Studio und entdecken ihren eigenen Sound.

Haben ihren eigenen Sound entdeckt: Eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus mehreren Frankfurter Quartieren der Nassauischen Heimstätte zu Besuch im Tonstudio von „Zaksway“. Mit dabei: Petra Falchi vom Kompetenzcenter Sozialmanagement und Marketing (hinten 4. v. li.), Wolfgang Koberg, Leiter des Servicecenters Frankfurt 1 (hinten 3. v. li.) und Streetworker Winnie Mylius. Foto: UGNHWS / Marc Strohfeldt
Auf Entdeckungstour: Die Nachwuchsmusiker übten erste Griffe an der E-Gitarre und untersuchten, mit welchem Regler sich welcher Effekt erzielen lässt. Foto: UGNHWS / Marc Strohfeldt
„Unglaubliches Rhythmusgefühl“: Die Profis von „Zaksway“ (im Bild Zakari Gammour) führten ihre jungen Besucher mit viel Feingefühl in die Welt der E-Gitarren ein. Foto: UGNHWS / Marc Strohfeldt
Aus Chaos wird Musik: Als erfahrene Sozialpädagogen finden Salvatore Sicola und Zakari Gammour (im Bild) von „Zaksway“ schnell Zugang zu jedem aus der Gruppe. Nach einer kurzen Einführung greifen die Kinder und Jugendlichen selbst zu den Drumsticks. Foto: UGNHWS / Marc Strohfeldt

Frankfurt – „Gib mir einen Beat.“ Hasan und Ali sind Rapper. Die beiden 22 Jahre jungen Männer aus Frankfurt-Fechenheim sind schon öfter öffentlich aufgetreten. Ihre Texte stecken voller Wortspiele und überraschender Reime und reflektieren ihre Lebenssituation als Jugendliche mit Migrationshintergrund in einer deutschen Großstadt. An diesem Tag aber ist alles anders: Statt per Knopfdruck einen digitalen Sound abzurufen, stehen Ali und Hasan plötzlich ein wenig ratlos vor einer Auswahl von „echten“ Instrumenten und sollen Musik damit machen.

Zusammen mit anderen Jugendlichen und Kindern, die mit ihren Familien in Quartieren der Nassauischen Heimstätte in den Stadtteilen Bornheim, Ostend und Fechenheim leben, besuchen Ali und Hasan das Tonstudio von „Zaksway“ in Frankfurt, einem gemeinnützigen Verein, der Musik-Workshops und Stadttouren auf so genannten Segways anbietet – elektrisch angetriebene, zweirädrige Fahrzeuge, auf denen man aufrechtstehend fahren kann. Begleitet werden die Heranwachsenden, wie schon bei vielen anderen Exkursionen, von Winnie Mylius. Der Streetworker ist im Auftrag der Unternehmensgruppe regelmäßig in deren Quartieren innerhalb des Stadtgebiets unterwegs und unterhält eine enge Verbindung zu den Mieterkindern. „Mit diesen Angeboten wollen wir vor allem Kindern aus benachteiligten Familien Anregungen geben und neue Perspektiven aufzeigen“, sagt Petra Falchi vom Kompetenzcenter Sozialmanagement und Marketing, die dieses Programm organisiert.

Plötzlich verwandelt sich der Lärm in Musik

Als erfahrene Sozialpädagogen finden Salvatore Sicola und Zakari Gammour von „Zaksway“ schnell Zugang zu jedem in der Gruppe, egal, ob es sich um den siebenjährigen Bedo oder den zurückhaltenden Mathis (15) handelt. Sicola spielt auf dem Bass eine kurze Tonfolge an, Hasan nickt kurz mit dem Kopf im Takt mit, dann greift er zur Trommel und legt los. Ali hält das Mikro dicht vor seine Lippen und beginnt wie wild zu rappen: Aus Chaos wird plötzlich Musik. Sogar der 15 Jahre alte Ziha, der sich zuvor geweigert hatte, ein Instrument in die Hand zu nehmen, klemmt sich hinters Schlagzeug und versucht, in den Rhythmus hineinzufinden und ihn zu verstärken – mit Erfolg. Aufeinander hören, auch das lernt man beim Musikmachen.

Angelina kennt keine Hemmungen wie Ziha und ist sofort dabei. Leidenschaftlich bearbeitet sie Pauke, Kessel und Becken, lässt die E-Gitarre aufjaulen und legt bei allem „ein unglaubliches Rhythmusgefühl“ an den Tag, schwärmt Salvatore Sicola. Aber die Neunjährige zeigt auch beim Segway-Fahren großes Talent: Routiniert kurvt das Mädchen über den Hinterhof, in dem sich auch das Tonstudio befindet, beschleunigt, bremst, fährt im Kreis und absolviert schwungvolle Schlangenlinien. Dass sie diese hochmodernen Personal Transporter einmal selbst ausprobieren können, ist für die meisten Heranwachsenden der Höhepunkt an diesem Tag.

Wichtige Anlaufstelle im Quartier

„Wir unterhalten an unseren Standorten in Ostend und Fechenheim jeweils einen Bewohnertreff“, berichtet Wolfgang Koberg, Leiter des Servicecenters Frankfurt 1. Für viele Heranwachsende in den Quartieren ist dies eine wichtige Anlaufstelle: Hier kommen sie mit Gleichaltrigen zusammen, hier findet sich auch Streetworker Mylius regelmäßig ein. Einmal pro Woche wird zusätzlich kompetente Unterstützung bei den Hausaufgaben angeboten. Wir halten diese Form der Jugendsozialarbeit für absolut notwendig“, erläutert Koberg. „Die Kinder aus den sozial- und bildungsschwächeren Familien in unseren Quartieren sollen sich nicht an den Rand gedrängt fühlen, sondern selbstbewusst sagen können: ,Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft.‘“

Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt

Die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt mit Sitz in Frankfurt am Main und Kassel bietet seit 95 Jahren umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Wohnen, Bauen und Entwickeln. Sie beschäftigt rund 720 Mitarbeiter. Mit rund 60.000 Mietwohnungen in 140 Städten und Gemeinden gehört sie zu den führenden deutschen Wohnungsunternehmen. Der Wohnungsbestand wird aktuell von rund 260 Mitarbeitern in vier Regionalcentern betreut, die in 13 Service-Center untergliedert sind. Das Regionalcenter Frankfurt bewirtschaftet rund 19.800 Wohnungen, darunter 16.000 direkt in Frankfurt. Unter der Marke „ProjektStadt“ werden Kompetenzfelder gebündelt, um nachhaltige Stadtentwicklungsaufgaben durchzuführen. Bis 2021 sind Investitionen von rund 1,5 Milliarden Euro in Neubau von Wohnungen und den Bestand geplant. 4.900 zusätzliche Wohnungen sollen so in den nächsten fünf Jahren entstehen.