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 / Presse
02.03.2010 08:05

Gemeinsam statt einsam

Bewohnertreff in Oberlinden bietet Aktivitäten für ältere Menschen / Nach Umbau offiziell eröffnet

Zwei Monate haben die Handwerker, unterstützt von ehrenamtlichen Helfern der örtlichen Arbeiterwohlfahrt (AWO), in den beiden Gewerberäumen der Nassauischen Heimstätte im Farnweg 85 ordentlich angepackt: Wände wurden rausgerissen, um die beiden Räume zusammen zu legen. Türöffnungen mussten für Rollatoren verbreitert, Fliesen und Bodenbeläge neu verlegt, Küche und sanitäre Anlagen eingebaut werden. Gestern konnte der neue Bewohnertreff am Einkaufszentrum Oberlinden nun offiziell eröffnet werden. Bürgermeister Frieder Gebhardt, Prokuristin Dr. Sylvia Kerbel als Vertreterin der Nassauischen Heimstätte, und Dirk Hartmann, Geschäftsführer der Langener AWO, schnitten gemeinsam das obligatorische rote Band durch. In den neuen Räumlichkeiten soll es in Zukunft ein quartiersbezogenes Angebot speziell auch für ältere Menschen geben. Gedacht ist an einen Mittagstisch, den sich die Senioren gemeinsam zubereiten, einen offenen Cafébetrieb, ein Informations- und Hilfezentrum mit Beratungsangebot, einen Mietertreff der Nassauischen Heimstätte und kulturelle Angebote mit Fahrmöglichkeiten. Der Bewohnertreff könnte zudem Sitz der geplanten Ehrenamtsagentur Langen werden und eine niedrigschwellige Betreuungsgruppe für demenziell veränderte Menschen beherbergen.

Netzwerk für Oberlinden
Für das Projekt haben sich vor gut einem Jahr vier Partner zusammengefunden, um erste Ideen zu entwickeln.  Die örtliche Arbeiterwohlfahrt wird den Bewohnertreff betreiben und dabei auch das Angebot weiterführen, das sie bisher einige Meter weiter in den alten Räumlichkeiten ihres Treffpunkts angeboten hatte. Das Seniorenzentrum Haltestelle und die Seniorenhilfe setzen ihren Schwerpunkt auf spezifische Angebote für ältere Menschen. Oberlinden gehört neben der Altstadt zu den Stadtteilen mit dem höchsten Anteil an älteren Bewohnern – 30% sind über 60 Jahre alt. Die Nassauische Heimstätte, die in Oberlinden 275 Wohnungen bewirtschaftet, hat den Umbau mit rund 30.000 Euro finanziert und vermietet die Räumlichkeiten zu einem symbolischen Preis von einem Euro pro Quadratmeter. Sie bringt weiterhin ihr Know-how aus Kooperationen ähnlicher Art in Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden ein und wird aktiv für den Bewohnertreff bei ihren Mietern werben. Zusammen möchten die Partner ein Netzwerk in Oberlinden aufbauen, das insbesondere den älteren Bewohnern eine höhere Lebensqualität im Alter ermöglicht. Die Stadt hatte bereits die Planungskosten übernommen und finanziert die Miet- und Personalkosten mit einem jährlichen Zuschuss von rund 15.600 Euro.

Gute Erfahrungen mit Kooperationen
Die Nassauische Heimstätte hat mit solchen Netzwerken bereits sehr gute Erfahrungen gemacht, weiß Kerbel zu berichten. In den Frankfurter Stadtteilen Niederrad und Sachsenhausen betreibe man in Kooperation mit dem Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe bereits zwei Begegnungszentren, in der Nordweststadt sei ein drittes gerade im Entstehen. Das dortige Angebot sei eine Art Blaupause für das Langener Projekt gewesen. In Wiesbaden-Klarenthal, ein Stadtteil mit einem hohen Anteil an älteren Menschen zumeist mit Migrationshintergrund, habe man mit dem Volksbildungswerk ein vielfältiges Angebot auf die Beine gestellt, das speziell auf diese Zielgruppe zugeschnitten sei. Es gebe ein Stadtteilcafé, eine Second-Hand-Kleiderbörse, eine eigenes Fernsehprogramm für Mieter mit selbst gedrehten Beiträgen und Nachrichten aus dem Stadtteil sowie Partizipationsprojekte für die Bewohner. Die Neugestaltung der Außenanlagen habe man zum Beispiel gemeinsam mit den Mietern in einem Workshop geplant. Im letzen Jahr habe man dort einen Bewegungsparcours und einen Duftgarten speziell für Senioren angelegt.

Der Anteil älterer und alleinstehender Menschen wächst
Wohnungsunternehmen müssten sich den demografischen Herausforderungen aktiv stellen, ist sich Kerbel sicher. Belege findet sie in einer repräsentativen Umfrage, die ihr Unternehmen im letzten Jahr unter älteren Mietern durchgeführt hat. „40 Prozent unserer Mieter sind über 65 Jahre alt, davon sind 57 Prozent alleinstehend. Die Gefahr der sozialen Isolation und der Vereinsamung im Alter wächst also. 80 Prozent möchten aber auch im Alter in einer eigenen Wohnung leben und das möglichst in ihrem vertrauten Umfeld. Das bedeutet für uns, dass wir selbst etwas tun müssen, um unseren Mietern ein möglichst langes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.“ Da ältere Menschen nicht mehr so mobil seien, kämen vor allem Angebote im engeren Wohnumfeld in Frage, die sich aber dem gesamten Stadtteil öffnen müssten. In Oberlinden habe man das richtige Angebot an der richtigen Stelle geschaffen. „Wir haben uns vertraglich für zehn Jahre an das Projekt gebunden. Das zeigt doch, dass wir von einem Erfolg überzeugt sind“, so Kerbel.